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Goldgräber und Geduld

Source: Süddeutsche Zeitung
Date: 17 February 2004

von Peter Borstel

Was die Chinesische Veranstaltungsflut von Ausstellern verlangt

Im vergangenen Frühjahr hatte SARS den asiatischen Messekalender kräftig durcheinander gewirbelt. Das Hong Kong Trade Development Council (HKTDC) fährt dafür jetzt die späte Ernte ein. Der halbstaatliche Wirtschaftsförderer und Messeveranstalter wird künftig eine zusätzliche Messe organisieren. Als Folge des Lungenvirus war zögerlichen Ausstellern aus dem Haushaltswaren- und Geschenkartikelbereich ein ergänzender Messetermin im letzten Juli angeboten worden. "Mehr als 62 000 Fachbesucher kamen zu der zusätzlichen Veranstaltung", berichtet Daniel KC Lam, Director des HKTDC in Deutschland, "aufgrund der positiven Resonanz auf den Sommertermin führen wir vom 6. bis 9. Juli eine neue Messe ein".

Als internationaler Treffpunkt und Tor nach China ist Hongkong bei den Konsumgütermessen sehr gut aufgestellt. Ab 2006 können ebenso die Bedürfnisse von Ausstellern aus dem Investitionsgüterbereich berücksichtigt werden. Dann wird am Flughafen das ebenerdige International Exhibition Centre (IEC) in Betrieb genommen. Das zweite größere Hongkonger Geländewird zunächst über 66 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche verfügen.

Noch stärker als in der Sonderverwaltungszone wird in der Volksrepublik China gebaut - dem dynamischten Messemarkt in Asien. In Guangzhou, Shenzhen und anderswo sind große neue Messegelände entstanden oder in Planung. Andererseits hat diese Goldgräberstimmung ihren Preis. "Die Inflation der Veranstaltungen macht die Messeauswahl nicht gerade leicht", sagt Jürgen Kracht, Geschäftsführer der in Hongkong ansässigen Management-Beratung Fiducia. "In vielen Branchen existieren zahlreiche themengleiche Messen, weil keine Verbandsstrukturen existieren, bilden sich Leitmessen erst langsam heraus". Trotzdem sollten Ausländer gerade jetzt in die Wachstumsregion eintreten. "Wer seine Produkte in China verkaufen will, muss auf einer Messe präsent sein", so Kracht.

Ratsam seien außerdem flankierende Maßnahmen wie die Einrichtung eines permanenten Showrooms. Um die richtige Veranstaltung zu finden, empfiehlt der Chinaexperte potenziellen Ausstellern erst einmal einen Messebesuch: "So können sie sich ein Bild vor Ort machen und entscheiden, ob eine Beteiligung lohnt. "Wichtig sei die Analyse der Zielgruppen, weil Messezahlen im Regelfall nicht geprüft seien. Deutsche Veranstalter stünden für gute Messen, doch die Qualität hänge genauso von den chinesischen Partnern ab. Als Ärgernis wird allgemein die unterschiedliche Preisgestaltung für Einheimische und Ausländer gesehen. Chinesische Firmen kommen immer noch in den Genuss günstigerer Quadratmeterpreise.

Transparenter ist die Situation in Japan. Dort haben einige - in Tokio oder der Nachbarpräfektur Chiba abgehaltene - Messen eine Leitfunktion für die ganze Region. Allen voran sind die Motor Show, die Werkzeugmaschinenmesse Jimtof, die Foodex, die Gift Show und die Halbleitermesse Semicon zu nennen. "Der 125-Millionen-Einwohnermarkt ist für ausländische Aussteller attraktiv", betont Roland Wels, Projektmanager von Fair Concept International. Zusammen mit dem deutschen Partner Pro-Fair GmbH Design Exhibitions Events, Hilden, organisiert das in Tokio ansässige Unternehmen die Messebeteiligungen von ausländischen Firmen. Der Messeerfolg in Japan sei nicht nur eine logistische oder standgestalterische Angelegenheit: "Wichtig ist das Wissen um interkulturelle Unterschiede." Ein elementarer Erfolgsfaktor sei Geduld.

Wer Südostasien mit seinen über 500 Millionen Einwohnern bedienen will, sollte vor Ort präsent sein. "Dieser Markt lässt sich nicht von China aus erreichen", betont Gernot Ringling, "bei vielen Themen ist Singapur nach wie vor der Standort mit der höchsten Internationalität", sagt der Geschäftsführer der Messe Düsseldorf Asia (MDA), "allerdings hat Singapur mi der Fokussierung europäischer Unternehmen auf China und der Etablierung nationaler Veranstaltungen in den Nachbarländern zu kämpfen". Damit der Standortvorteil gehalten wird, leistet die Regierung tatkräftige Unterstützung. Die MDA führt im September die HospiMedica Asia durch. Bereits im März starten die Düsseldorfer ihre Kunststoffmesse T-plas in Bangkok. Thailändische Messen gewinnen an Bedeutung - aufgrund guter ökonomischer Daten und der Türöffnerfunktion für angrenzende Länder.




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