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Richtig Investieren in ChinaSource: China Contact von Ralf Karchow Der gestiegene Bedarf an qualititativ hochwertigen Produkten
und Dienstleistungen auf dem chinesischen Markt ist für viele deutsche
Unternehmen Chance und Herausforderung zugleich, sich in China neu zu
positionieren. Insbesondere mittelständische Unternehmen werden zunehmend in
einem Marktumfeld aktiv, dass den Wandel vom billigen, exportorientierten
Produktionsstandort hin zum attraktiven Absatzmarkt für Produkte von
Weltmarktniveau bereits vollzogen hat. Dabei profitieren sie nicht nur von
steigenden Absatzchancen, sondern auch von abnehmenden Markteintrittsbarrieren. WFOE als bevorzugte Rechtsform Der Trend, dass ausländische Unternehmen in China als unabhängige Tochtergesellschaft operieren, hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Die Zuwachsraten für WFOE-Neugründungen (Wholly Foreign Owned Enterprise – sprich "Wufie") lagen in den vorangegangenen drei Jahren zwischen 30 und 50 Prozent, während die Zuwächse bei Joint Ventures und Kooperationen stagnierten. Neben zahlreichen Neuansiedlungen westlicher Firmen ist dies auch auf die Umstrukturierung und Ausweitung bereits bestehender Chinaaktivitäten zurückzuführen. Fast 85% der in China vertretenen mittelständischen Firmen geben an, ihre Aktivitäten intensivieren zu wollen. Im Zuge dessen wird es immer beliebter, Repräsentanzen in WFOEs umzuwandeln. Die Gründe dafür reichen von der eingeschränkten Handlungsfähigkeit der Repräsentanzen bis hin zu deren steuerlicher Behandlung. So besitzen Vertretungsbüros keine eigene Rechtspersönlichkeit, die Entfaltung unmittelbarer geschäftlicher Tätigkeiten ist Ihnen untersagt und als Basis für die Besteuerung wird der Ausgaben- und Kostenblock herangezogen, was zu einer finanziellen Belastung unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg führt. Ebenso werden immer mehr Joint Ventures in WFOEs umgewandelt. Viele ausländische Investoren, die beim erstmaligen Markteintritt und der Markterschließung auf chinesische Partner gesetzt haben, fühlen sich mittlerweile der Herausforderung gewachsen, die alleinige operative Kontrolle zu übernehmen. Das Management profitiert dabei von einer höheren Flexibilität bei der Unternehmensführung sowie einem geringeren internen Konfliktpotenzial durch die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern. WTO-Beitritt macht WFOEs handlungsfähiger Die Senkung der Importzölle und der zunehmende Liberalisierungsgrad der Investitionsbedingungen sind weitere Gründe für die wachsende Beliebtheit von WFOEs. Viele formale Vorschriften wurden infolge von Chinas Beitritt zur WTO gelockert beziehungsweise abgeschafft. So ist ein zwingender Einsatz fortschrittlicher Technologie oder eine Exportquote von mehr als 50% nicht mehr zwingend erforderlich. Des Weiteren werden mehr und mehr Branchen für Töchter ausländischer Unternehmen geöffnet. Dies gilt vor allem für den ehemals stark regulierten Dienstleistungssektor. So wird es zum Beispiel ab 2004 möglich sein, WFOEs im Logistiksektor zu gründen und ab 2006 im Telekommunikationssektor. Mittelständische Unternehmen, denen meist nicht die gleichen Ressourcen zur Verfügung stehen wie grossen Unternehmen, profitieren auf diese Weise von der voranschreitenden Reduzierung der Markteintrittsbarrieren. Leitfaden zur Gründung Eine WFOE ist eine Tochtergesellschaft einer ausländischen Firma, die sich zu 100% im Besitz des ausländischer Investoren befindet; d.h. kein chinesischer Partner ist an ihr beteiligt. Sie ist im Regelfall eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung und der Status entspricht dem einer chinesischen juristischen Person. Der eigentliche Gründungsprozess führt durch ein bürokratisches Wirrwarr und erfordert die Ausarbeitung und Einreichung zahlreicher Dokumente. Deshalb sollte man bei der Errichtung und Gestaltung einer WFOE auf professionelle Beratung zurückgreifen. Die entsprechenden Consultants sollten nicht nur den administrativen Belangen bei der Gründung Aufmerksamkeit schenken, sondern auch auf die strukturelle Ausgestaltung der künftigen Firma achten. Des Weiteren sollten sie umfangreiche Erfahrung im Umgang mit den Behörden besitzen. Der erste Schritt des Gründungsprozesses ist die Ausarbeitung und Einreichung einer Machbarkeitsstudie, der Unternehmenssatzung (Articles of Association) sowie einer Reihe weiterer Dokumente bei MOFCOM (Ministry of Commerce of the People’s Republic of China) und anderen Behörden. Nach Genehmigung der Unterlagen erfolgt die Registrierung. Dieser Schritt wird durch das Ausstellen der Geschäftslizenz (Business license) durch die SAIC (State Administration of Industry and Commerce) dokumentiert. Anschließend muss das Unternehmen noch bei Devisen-, Zoll- und Steuerbüro sowie einer Reihe weiterer Behörden registriert werden. Bei entsprechender Vorbereitung ist es durchaus möglich, die behördlichen Genehmigungs- und Registrierungsprozesse in der Mindestdauer von zehn Wochen zu absolvieren. Anhaltspunkte für die Anforderungen an die einzureichenden Dokumente können aus den Bestimmungen und Vorlagen der Behörden abgeleitet werden. Das chinesische Recht bietet jedoch weiteren Spielraum bei der Ausgestaltung der Satzung. So sollte man bereits bei der Gründung Mechanismen einbauen, die eine spätere Steuererleichterung bei der Gewinnrückführung an die Muttergesellschaft ermöglichen. Die Wahrung finanzieller Vorteile Auch die Finanzierungsaspekte sollten im Vorfeld der Gründung
sorgfältig untersucht werden. Zwei Kenngrößen, denen dabei besondere Bedeutung
zukommt, sind die Gesamtinvestitionen (total investment) sowie das Eingetragene
Kapital (registered capital). Letzteres beinhaltet Kapital- und Sacheinlagen,
die für die Gründung einer WFOE notwendig sind. Erfahrungen zeigen, dass hierbei
eine Mindesteinlage von USD 150.000 aufgebracht werden muss. Die
Gesamtinvestitionen umfassen neben dem Eigenkapital noch zusätzlich das
Fremdkapital. Je nach Industriezweig und Region können die Anforderungen an die
Höhe des zu investierenden Kapitals jedoch variieren. Es macht daher Sinn,
regionale Unterschiede zu vergleichen, auch hinsichtlich weiterer monetärer
Aspekte. Viele chinesische Regionen konkurrieren um ausländische
Direktinvestitionen, deshalb besteht eine große Vielfalt an Anreizen. So gibt es
Freihandels- und Hightech-Zonen, die Steuervergünstigungen und Mietminderungen
für ausländische Investoren anbieten. Den Firmen kann eine zweijährige
Steuerbefreiung ab dem ersten Jahr, in dem Gewinn ausgewiesen wird, gewährt
werden, und eine 50-prozentige Steuererleichterung auf die Körperschaftssteuer
in den darauf folgenden drei Jahren. Auf diese Weise kommt der Standortwahl
entscheidende Bedeutung hinsichtlich der späteren finanziellen und steuerlichen
Behandlung zu. Resumé Das enorme Maß an ausländischen Investitionen in chinesische Tochter- oder Gemeinschaftsunternehmen sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gesellschaftsrecht in China trotz voranschreitender Liberalisierung immer noch restriktiv ist. So sind Rechtsformen, wie z.B. Aktiengesellschaften für ausländische Firmen nicht zugänglich und für die seit einiger Zeit erlaubten Unternehmenskäufe gibt es viele branchenbezogene Restriktionen. Derzeit ist eine WFOE die vorteilhafteste Art eine operative Unternehmung in China zu gründen. Welches Investitionsvehikel man letztendlich wählt, hängt neben den oben erwähnten auch von anderen Faktoren ab. Strategische Ausrichtung, Firmengröße und Branchenzugehörigkeit beeinflussen die Entscheidung ebenso wie gesetzliche Beschränkungen. In jedem Fall erfordert eine WFOE–Gründung ein langfristiges und strukturiertes Engagement des Unternehmens und sollte nur im Rahmen einer ganzheitlichen Chinastrategie durchgeführt werden. Der Investor sollte eine sorgfältige Risikobewertung vornehmen und die Fachkenntnis von Dritten in die Entscheidungen einbeziehen. |
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