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Chinesische Firmen zieht es verstaerkt auf den Weltmarkt

Siyrce: Produktion
Date: 18 September 2003

von Michael Nallinger

Noch liegt der Anteil Chinas an den Auslandsinvestitionen weltweit bei unter einem Prozent. Zum Vergleich: Deutschland kommt auf 8, die USA auf 20%. Dies koennte sich bald aendern. Eine aktuelle Studie von Roland Berger zeigt: Immer mehr chinesische Firmen draengen auf die Weltmaerkte.

Ein Ergebnis der gerade fertiggestellten Studie "From Middle Kingdom to global Market" unter den 100 groessten chinesischen Unternehmen ist, dass sich heute bereits ueber 70% im Ausland engagieren., in Form von Allianzen, Niederlassungen oder Akquisitionen. Auf allen Weltmaerkten werde man bald Wettbewerbern aus China begegnen, allerdings sind Prioritaeten erkennbar. So haben Roland Berger Marktforscher ermittelt: Das praeferierte Ziel ist der US-Markt, erst an zweiter Stelle folgen Europa und Suedostasien. Die Erschliessung neuer Absatzmaerkte ist dabei mit 56% das Hauptmotiv. Ein weiterer Grund ist mit 20% aller Nennungen die Sicherung von Rohstoffressourcen. "Das dritte Investitionsmotiv liegt mit 16% in der Gewinnung von technologischer Kompetenz" betont Dr. Eugen von Keller, einer der beiden Verfasser der Studie. Die Bemuehungen der chinesischen Investorengruppe D'Long um die Regionalflugzeugsparte von Dornier zaehlen ebenso dazu wie die Uebernahme von Akiyama Druckmaschinen in Japan durch die Shanghai Electric Group. Als weiteren Faktor, der Chinesen ins Ausland zieht, nennt die Studie die Akquisition von internationalen Markennammen.

Der Kauf von Handelsmarken steht auch fuer Roland Klein von der Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung, Koeln, im Vordergrund. "Es gibt kaum international bekannte Marken. Der Weisse-Ware Hersteller Haier kann durchaus als erste ueber die Landesgrenze bekannte Marke betrachtet werden." Schneider und Grundig seien gute Beispiele fuer Unternehmen, die das Potenzial Ihrer Marken nicht auszuschoepfen verstehen, betont Klein. Die Uebernahme von Schneider durch den Elektronikkonzern TCL zeigt, dass das Auslandsengagement fuer beide Seiten erfolgreich sein kann. Mittlerweile ist die Serienproduktion von Fernsehgeraeten am Standort in Tuerkheim mit 100 Mitarbeitern wieder angelaufen, weitere Arebitsplaetze sollen folgen.

Bei den Akquistionen rechnet China-Experte Klein langfristig mit einer steigenden Zahl: "Ohne die grossen Liquiditaetsprobleme der chinesischen Unternehmen koennten wir heute sicherlich bereits mehr Uebernahmen verzeichnen." Der Zugang zu Fremdkapital werde sich jedoch speziell fuer chinesische Privatunternehmen verbessern.

Verstaerkte Aktivitaeten chinesicher Firmen erkennt auch Juergen Kracht von Fiducia Management Consultants, Hong Kong. So verzeichnen chinesische Aussteller die hoechsten Zuwaechse auf deutschen Messen. "Verschiedene Experten in China fordern von Regierung und Staatsunternehmen ein staerkeres Auslandsengagement, um ihre Wettbewerbsfaehigkeit zu erhoehen", weiss Kracht. Fuer chinesische Firmen sei es aber immer noch schwierig, im Ausland zu investieren, so sei dafuer nach wie vor eine Erlaubnis erforderlich.

Im Maschinen- und Anlagenbau scheinen sich die Chinesen noch zurueckzuhalten. Auf Anfrage teilt der VDMA mit, dass man zwar ein verstaerktes Auftreten auf asiatischen Maerkten beobachte, man habe aber keine Anhaltspunkte fuer Investitionen chinesischer Maschinenbauer in Deutschland. Der VDMA-Experte Oliver Wack sieht deshalb auch eine ganz andere Gefahr: den Nachbau. "Ein Thema, das uns in China in vielen Fachzweigen begleitet und uns wohl auch weiterhin begleiten wird."

Abzuwarten bleibt auch, ob sich die deutschen Produktionsstandorte nach der Uebernahme langfristig immer so entwickeln wie beim Fernsehgeraetehersteller Schneider. Die Produktion bei der Hirschfelder Leinen GmbH, dem ersten Engagement von D'Long in Deutschland wird zum Jahresende jedenfalls eingestellt.

Nur langfristig sieht auch Experte Kracht eine ernst zu nehmende chinesische Konkurrenz. Kurz- und mittelfrisitg spiele ein ganz anderer Trend eine Rolle: "Nicht Chinesen die nach Deutschland kommen, sondern Deutsche, die nach China gehen, gefaehrden den deutschen Mittelstand."




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