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SARS Hong Kong StrukturschädenSource: Handelsblatt von Oliver Müller Hongkong. 24 Tage nach Ausbruch der tödlichen Lungenkrankheit Sars in der Stadt bekommt Hongkong die wirtschaftlichen Auswirkungen mit voller Wucht zu spüren: Für 2003 rechnen Analysten mit schwächerem Wachstum, höherem Haushaltsdefizit und mehr Arbeitslosigkeit. Skeptiker sehen die Stadt seit der Wiedervereinigung mit China vor fünf Jahren ohnehin im strukturellen Niedergang. Doch so schmerzhaft Sars die von verschärftem Standortwettbewerb bedrängte Metropole im Moment trifft: Mit bleibenden Schäden für Grundpfeiler der Wirtschaft wie Logistik, Dienstleistungen, Tourismus oder Direktinvestitionen rechnen Experten derzeit noch nicht. Die Panik wird verfliegen wie nach dem BSE-Skandal in Europa," meint Enzio von Pfeil. Kurzfristig hält es der Direktor des unabhängigen Research-Hauses Commercial Economics für möglich, dass Entscheidungen über ausländische Direktinvestitionen in Hongkong und Südchina verschoben werden. Langfristig werden sie nicht fallen," glaubt von Pfeil, denn der positive strukturelle Aufwärtstrend der chinesischen Wirtschaft bleibe intakt. Dank einer frei konvertierbaren Währung ist Hongkong die Schlagader, durch die ein Großteil dieser Investitionen fließt. "Der Ausbruch wird langfristig keine deutsche Firma davon abhalten, hier eine Tochter zu gründen," sagt auch Jürgen Kracht, Managing Director der Unternehmensberatung Fiducia. Für Standortentscheidungen seien das westliche Rechtssystem, weitgehende Korruptionsfreiheit, niedrige Steuern und die Nähe zur Volksrepublik entscheidend. Den Imageverlust durch die weltweit ausgestrahlten Fernsehbilder von vermummten Passanten hält Kracht freilich für enorm; er sei aber revidierbar. Sars hat keine strukturellen Auswirkungen auf den Standort," wiegelt Jun Ma ab. Der Deutsche Bank-Volkswirt erwartet, dass die Krankheit die Stadt dieses Jahr 0,4% Wachstum kosten wird. "Aber wenn sie einmal vorbei ist, wird Hongkong wieder alle Funktionen erledigen, die jetzt brach liegen," so Ma. Dauerhaften Schaden für die Reise- und Handelsdrehscheibe, den Messestandort oder den Tourismus erwartet er nicht. Diese elementar wichtigen Funktionen sind derzeit gelähmt, weil aus Angst vor Sars kaum ein Geschäftsreisender oder Tourist mehr nach Hongkong kommt oder die Stadt verlässt. Wann der Ausbruch abebbt, lässt sich nicht abschätzen. Darüber, wie lange er dauern müsste, um Hongkongs wirtschaftliche Grundfesten langfristig zu erschüttern, lässt sich nur spekulieren. Viele Wirtschaftsexperten gehen im Moment davon aus, dass die Stadt nicht länger als ein paar Monate mit Sars darniederliegt. Zum Beispiel ING-Analyst Kingston Lee. Er erwartet "keinen dauerhaften Schaden für Hongkongs wirtschaftliche Rahmenbedingungen" und ist einer der wenigen, die den jüngsten Einbruch der Börse sogar als Kaufgelegenheit anpreisen. Die Börse werde den Virus abschütteln, sobald die Infektionsraten in der Bevölkerung zu fallen beginnen. Damit rechnet Lee bis Mai oder Juni. Die Kreditratingagenturen Standard & Poor's und Fitch fassen zurzeit keine Änderungen der Bonität Hongkongs ins Auge. "Wir konzentrieren uns nicht auf kurzfristige und temporäre Ereignisse," begründet das S&P-Analyst Chew Ping. Fitch würde sein Rating nur senken, wenn Sars die Stadt viel länger als erwartet im Griff behält. "Besorgniserregend wäre, wenn die Situation nicht unter Kontrolle kommt, Leute in Massen flüchten, Panik ausbricht, Warenlieferungen ausbleiben," erläutert Brian Coulton von Fitch. Allerdings dürfte es die Krankheit der Regierung in diesem Jahr erschweren, das enorme Budgetdefizit wie versprochen zu reduzieren. Sie verlässt sich dazu auf Steuererhöhungen, Ausgabenkürzungen und eine Konjunkturerholung. Das Finanzministerium erklärte gestern, Abstriche an der offiziellen Wachstumsprognose von 3% seien zu erwarten. Deutsche Bank-Analyst Ma glaubt, dass das Defizit in diesem Jahr wegen Sars um 3 Mrd. HK$ (365 Mill. Euro) höher ausfällt als die prognostizierten 68 Mrd. HK$. Schwächeres Wachstum, höhere Arbeitslosigkeit, größeres Defizit und verschärfte Deflation in Folge von Sars schüren Sorgen, Hongkong könne die feste Bindung seiner Währung an den US-Dollar beenden. "All das sind Argumente für ein Beenden des Pegs," sagt Ma, "und klar, diese haben sich verstärkt." Kurzfristig hält er einen Wechsel des Währungsregimes jedoch für unwahrscheinlich. Der "Peg" ist ein zentrales Stabilitätskriterium für Auslandsinvestoren. Rappele sich die Wirtschaft nicht auf, werde der Druck aber steigen, so Ma. |
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