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Chinas M&A MarktSource: Handelsblatt von Oliver Müller Schwer gebeutelte Kapitalmärkte und Risikoscheu lähmen das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen auch in Fernost. China bietet Investmentbankern jedoch einen Hoffnungsschimmer. Viele erwarten einen M&A-Boom, der das Land zu einem der aktivsten Märkte weltweit machen könnte. "Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO wird eine M&A-Flut auslösen," sagt Gary Coull. Der Exekutiv-Direktor des Emerging-Markets-Instituts CLSA erwartet "mehr Deals, als sich die meisten träumen lassen." PricewaterhouseCoopers teilt seinen Enthusiasmus. Eine Umfrage der Unternehmensberater unter 232 Profi-Anlegern und Wagniskapitalgebern kürt China zum vielversprechendsten M&A-Markt Asiens. Die Rahmenbedingungen für Übernahmen verbessern sich: Mit dem WTO-Beitritt fallen für Ausländer viele Investitionsverbote weg; der Restrukturierungsbedarf der maroden Staatskonzerne ist enorm; und schärferer Wettbewerb, Überkapazitäten und Ertragsschwäche zwingen chinesische Firmen in vielen Branchen zur Konsolidierung. Gleichzeitig gewinnt der Vormarsch internationaler Konzerne weiter an Schwung: Seit Januar strömten fast 25 Mrd. $ ausländische Direktinvestitionen nach China, 19% mehr als im Vorjahr. M&A spielt dabei bislang keine nennenswerte Rolle. Doch statt mühsamer Joint-Venture-Verhandlungen oder dem langwierigen Aufbau von Töchtern werden Ausländer zunehmend etablierte Betriebe übernehmen, glaubt Jürgen Kracht. "In China gibt es mittlerweile viele gute Unternehmen," sagt der Managing Director der Unternehmensberatung Fiducia in Hongkong, "Investoren können echte Erfolgsstories kaufen." Verbreitete Finanzierungsschwierigkeiten, die chinesischen Mittelständlern Wachstumsgrenzen ziehen, erleichtern Käufern den Zugriff. Bei der Kreditvergabe bevorzugen Chinas staatliche Banken hartnäckig Staatsbetriebe. Für diese bleiben auch die Börsen reserviert. "Der Einstieg bei Privatfirmen ist sowieso interessanter," meint Kracht. Sie seien dynamischer und überschaubarer. Doch sind Chinas Privatfirmen auch jung und klein, und das hält den Wert vieler M&A-Deals gering. Pricewaterhouse geht davon aus, dass die meisten Akquisitionen in nächster Zeit nur 5 bis 10 Mill. $ kosten werden. 155 Transaktionen machten China zwar im vergangenen Quartal laut Thomson Financial zum aktivsten M&A-Markt Asiens. Doch rechnet man einen Mega-Deal für 10 Mrd. $ heraus, bei dem China Mobile Mobilfunknetze von seiner Mutter kaufte, war der Rest im Durchschnitt nur 13 Mill. $ wert. Auf kleine Fische haben Wall Street-Riesen wenig Appetit; und bis die großen Deals Wirklichkeit werden, könnte es dauern. "Über Chinas M&A-Potential wird viel geredet," sagt ein Investmentbanker bei einem bekannten europäischen Institut in Hongkong, "aber noch ist der Markt nicht in die Gänge gekommen." Neben Regulierungshürden wirken Rechtsunsicherheit und verbreitete Bilanzmanipulationen als Bremsen. Beides macht Akquisitionen in China riskanter als anderswo. Allerdings dürfte der M&A-Markt keine Einbahnstraße werden. Nach schnellem Wachstum zu Hause zeigen die ersten chinesischen Unternehmen Appetit für Akquisitionen in Übersee. So kaufte der Öl-Riese CNOOC Anfang des Jahres der spanischen Repsol für 585 Mill. $ das Indonesien-Geschäft ab. Vom Drang zur Internationalisierung chinesischer Konzerne verspricht sich Todd Marin bald den ersten großen Deal. "Wir hatten mehr als nur nette Gespräche," sagt JP Morgans M&A-Chef für Asien, "aus einigen könnte noch dieses Jahr etwas werden." Zwei Deals führen Optimisten als Signal für den erhofften Dammbruch an: In Chinas bislang größter grenzüberschreitenden Akquisition hat der US-Konzern Emerson Ende 2001 für 750 Mill $ den Telekom-Ausrüster Avansys gekauft. Alcatel übernahm für 312 Mill. $ die Mehrheit an seinem Joint-Venture Shanghai Bell und konsolidiert unter dessen Dach das gesamte China-Geschäft. Diesem Beispiel dürften weitere Ausländer folgen, denen in der Vergangenheit Joint-Ventures aufgezwungen wurden, denn in vielen Firmen-Ehen kriselt es. "Viele Auslandsinvestoren wollen entweder die Kontrolle an Gemeinschaftsunternehmen übernehmen, oder sie wollen ihren Anteil abstoßen," berichtet der Unternehmensberater Kracht. |
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