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China lockt mit hohem Risiko / Von Dagmar Hauff

Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Date: 27 November 2000

Spiel mit der großen Zahl

FRANKFURT. Es ist immer wieder die Phantasie der großen Zahlen, wenn es um die Investitions- und Anlagemöglichkeiten in China geht. Die Chancen sind riesig - in dem bevölkerungsreichsten Land der Erde lassen sich mehr als eine Milliarde Verbraucher erreichen. Auf der anderen Seite steht Ernüchterung angesichts der vielen Unwägbarkeiten, die ein Engagement in China, mit sich bringt.

Kaum ein Markt ist deshalb so starken Schwankungen im Anlegerinteresse ausgesetzt wie der chinesische. Das in den Medien verbreitete China-Bild spielt dabei eine wichtige Rolle, und so folgen auf Phasen großer China-Begeisterung immer wieder Zeiten des Pessimismus. Derzeit sei die Stimmung für Investitionen in China "verhalten optimistisch", sagt Björn Etgen, Rechtsanwalt bei BBLP Beiten Burkhardt Mittl & Wegener in Peking. Ausländische Investoren erwarten vom Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation eine nachhaltige Verbesserung des Investitionsumfeldes; die chinesische Zentralregierung hat zugesagt; viele der lästigen Investitionshemmnisse, zum Beispiel für Beteiligungen an Staatsunternehmen, sukzessive abzubauen.

Doch Vorsicht beim Abschluß von Verträgen sei nach wie vor geboten, warnt Etgen. Ausländische Investoren müssen weiterhin mit rechtlichen Problemen rechnen." Grundsätzlich empfehle es sich daher, vertraglich eine ausländische Schiedsgerichtsbarkeit zu vereinbaren, da in China im Regelfall internationale Schiedsurteile unter erleichterten Voraussetzungen vollstreckt werden können. Nach Ansicht von Jürgen Kracht von Fiducia Management Consultants in Hongkong ist ausbleibender Geschäftserfolg in China jedoch oft auch eine Folge der schlechten Vorbereitung. "Viele haben sich diesen Markt zu einfach vorgestellt."

Aktienkäufe sind derzeit für Ausländer an den beiden festlandchinesischen Börsenplätzen Shanghai und Shenzhen nur auf dem sogenannte B-Markt möglich. Vom ausländischen Standort aus ist der Erwerb der Aktion jedoch mit hohen Transaktionskosten verbunden. Die Aktienkurse sind schwer nachvollziehbar, und hinter den Börsengängen stehen häufig sehr undurchsichtige Unternehmensstrategien. Daher ist nach Ansicht von Experten bei Aktienkäufen an den beiden Festlandbörsen Vorsicht geboten. Interessanter könnte ein Engagement allerdings werden, wenn der für Inländer zugelassene A-Markt mit dem B-Markt fusioniert; die chinesische Börsenaufsichtsbehörde hat dies bereits angekündigt.

Auf dem Festland wird immer wieder behauptet, daß Shanghai mittlerweile dem Börsenplatz Hongkong den Rang ablaufe. Doch hat Hongkong immer noch einen der effizientesten und transparentesten Finanzmärkte Asiens, Die Marktkapitalisierung der Hongkonger Börse beträgt der Zeit rund 575,5 Milliarden Dollar, sie übertrifft damit die der Shanghaier und Shenzhener Börsen zusammengenommen um gut 10 Prozent. Zahlreiche festlandchinesische Unternehmen haben daher den Weg an die Hongkonger Börse gesucht und gefunden. Die sogenannten "red chips" sind mittlerweile in vielen internationalen Aktienfonds enthalten.

Da es für den Einzelinvestor einigermaßen schwierig ist, sich über die chinesischen Unternehmen qualifizierte Informationen zu beschaffen. empfiehlt George Joseph, Länderanalyst bei der Dresdner Bank, in Aktienfonds zu investieren. Nach Ansicht von Michael Kotet von der Baader Wertpapierhandelsbank sollte man darauf achten, daß darin Aktien der führenden chinesischen Unternehmen enthalten sind. Anleger sollten jedoch einen Anlagehorizont von 2 bis 5 Jahren haben.




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