Fiducia Logo

 

Europäische Investitionen im Blickpunkt

Source: Bfai
Date: 19 August 1999

von Dr. Jürgen Maurer

Investitionen europäischer Unternehmen in der VR China sind heute von mehr Realismus geprägt als noch vor wenigen Jahren. Nun tritt das Ziel in den Vordergrund. Gewinne zu realisieren bzw. auszuweiten anstatt lediglich die Marktpräsenz und das Potential zu betonen. Wie sich Erfolg und Mißerfolg verteilen und welche Faktoren dafür verantwortlich sind, versucht eine Studie über europäische Investitionen in der VR China zu erhellen, an der 136 vor Ort Verantwortliche teilnahmen.

An den Gesamtinvestitionen in der VR China hatte die EU 1998 einen Anteil von 11,3%. Die Länder der Europäischen Union schlossen 1998 Investitionsverträge über insgesamt 5,9 Mrd. US$, während die Höhe der umgesetzten Projektsummen 4,3 Mrd. US$ betrug. Mittlerweile sollen etwa 4.000 europäische Unternehmen in der VR China investiert haben.

Bislang haben erst 22% der antwortenden europäischen Unternehmen ihre Investitionen amortisiert. In den nächsten drei Jahren erwarten jedoch viele, ihre Geschäfte bedeutend verbessern zu können. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen, deren Investitionen nicht später als 1997 starteten, zeigen sich mit den bisher erreichten Ergebnissen nicht zufrieden; darunter bezeichneten 42% ihre Leistung als unterhalb der Erwartungen und 11% als nicht zufriedenstellend.

Dies dürfte teilweise auch mit der Asienkrise zusammenhängen, wobei nur 33% angeben, nicht davon betroffen zu sein. 54% der Befragten gehen davon aus, daß die VR China in eine ähnliche Krise hineingeraten wird, in welchem Falle sie mit Kostenreduzierungen und Zurückfahren von Investitionen reagieren würden.

Auch wenn der Trend derzeit dahin weist, hundertprozentige Auslandstöchter gegenüber Joint-Venture-Gründungen zu bevorzugen, so sollen den Befragungsergebnissen zufolge 55% der Joint Ventures den Geschäftsabschluß ohne Gewinn oder Verlust erreicht haben gegenüber 47% der Wholly Foreign Owned Enterprises. Viele der mit Joint-Venture-Strukturen arbeitenden europäischen Investoren zeigen sich mit ihren Kooperationspartnern mehr oder weniger zufrieden.

Was banal klingt, scheint immer noch nicht selbstverständlich - gute Vorbereitung des Markteintritts ist ein entscheidender Faktor für Erfolg oder Mißerfolg. Erfolgreiche Unternehmen haben mehr Zeit mit fact-finding-missions in der VR China verbracht und mehr Untersuchungen durchgeführt als diejenigen Unternehmen, die mit ihrer Leistung unzufrieden sind. Die sich als erfolgreich einstufenden europäischen Firmen bringen in der VR China Produkte auf den Markt, die dieselben Qualitätsstandards erfüllen wie in Europa und gleichzeitig den lokalen Marktkonditionen besser angepaßt sind. Daher erreichen sie höhere Verkaufsergebnisse und agieren unter geringerem Wettbewerbsdruck. Dies ist nicht zuletzt auf einen größeren Aufwand an Personalentwicklung und auf eine stete Unternehmenspolitik zurückzuführen.

Ein Beitritt der VR China zu Welthandelsorganisation wird auf die Investitionsentscheidungen große Auswirkungen haben. Mit der erforderlichen Senkung der Importzölle nimmt der Wettbewerb deutlich zu, und zwar zwischen den in China produzierenden und anderen ausländischen Anbietern, die in benachbarten Ländern herstellen lassen, wie auch mit Importen aus Europa und Nordamerika.

Dies sind in Kurzfassung einige Ergebnisse einer Umfrage unter europäischen Unternehmen mit Investitionen in der VR China, die im Jahr 1999 durchgeführt wurde. Unterstützt wurde die von der Unternehmensberatung Fiducia durchgeführte Studie von der Delegation der Europäischen Kommission in Beijing. Eine Vorgängerstudie über europäische Investitionen stammt aus dem Januar 1998.




2007 Copyright © Fiducia Ltd., All rights Reserved. Contact Fiducia | Privacy | Disclaimer