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Der China-Bonus ist verflogenSource: Handelsblatt Unter europaeischen Investoren im Reich der Mitte herrscht Ernuechterung Knapp ueber die HaeIfte der europaeischen Firmen in China ist mit dem geschaeftIichen Verlauf unzufrieden oder die Erfolge sind hinter den Erwartungen zurueckgebIieben. Das ergibt eine Studie, die in diesen Tagen in Peking vorgestellt worden ist. Nur jedes zweite europaeische Unternehmen hat bislang in der Volksrepublik China die Gewinnschwelle erreicht. Und lediglich einer von fuenf Investoren hat die Kosten seines China-Engagements wieder hereingeholt. Diesen ernuechternden Befund praesentierte der geschaeftsfuehrende Direktor der Hong Konger Unternehmens- beratung Fiducia Juergen Kracht in Beijing. Kracht hat die vertrauliche Studie, deren 136 Teilnehmer anonymisiert wurden, mit Unterstuetzung der Deutschen Botschaft und der Delegation der EU-Kommission in Chinas Hauptstadt angefertigt. Gemessen an den rund 4000 in China aktiven Firmen aus Europa erfasst die Fiducia-Studie also nur etwas mehr als 3 %. Sie ist demzufolge nicht repraesentativ, enthaelt aber einige interessante Aussagen zur Einschaetzung des chinesischen Marktes sowie ueber die Erfahrungen erfolgreicher und wenig erfolgreicher Firmen in China. Krachts Fazit: "Beim China-Investment ist Realismus eingekehrt, der China-Bonus hat stark nachgelassen." Besonders im Vergleich zur Umfrage des Vorjahres zeige sich, so Kracht, dass das frueher vorherrschende Wunschdenken der China-Investoren einer kritischeren und gruendlicheren Pruefung des Standortes gewichen sei. Immer oefter werde trotz der in China gigantischen Marktzahlen gefragt: ,,Ist das wirklich wahr?" Auch in den Zentralen jener Euro-Firmen, die in China engagiert sind, wird laut Kracht jetzt genauer hingeschaut. Der Hinweis der entsandten Manager, "China ist anders", werde kaum noch akzeptiert. Die Konzentration auf Ergebnisse rueckt auch beim China-Engagement staerker in den Vordergrund. Daher hoere man immer oefter die Frage, "Warum sind wir immer noch in diesem Land?" Profitabilitaet und Gewinnwachstum seien die beiden wichtigsten Ziele auch im China-Geschaeft geworden und ihre Bedeutung nehme noch zu. Dass nicht nur das Marktpotential und die Gewinnmoeglichkeiten zu hoch eingeschaetzt wurden, sondern auch in Bezug auf die wirtschaftlichen Perspektiven Ernuechterung herrscht, zeigt ein anderer Befund der Studie: 54 % der von Fiducia Befragten erwarten in China einen der Asienkrise vergleichbaren konjunkturellen Einbruch. Zwei von drei Firmen wollen, sollte es dazu kommen, ihre Kosten in China reduzieren, fast die Haelfte will abspecken. Schon jetzt werden in grossem Umfang Expat-Manager aus Europa in den chinesischen Niederlassungen und Joint Ventures abgezogen and durch lokale Fuehrungskraefte ersetzt. Kracht spricht von einem "deutlichen Abbau". Erstaunlich ist die hohe Zahl von Firmen, deren Erwartungen sich bislang nicht erfuellt haben, naemlich 53 %. Dazu Kracht: "China hat sich sehr geschickt als attraktive Braut verkauft, doch jetzt, da das Make-up aufgebraucht ist, sieht die ganze Sache anders aus." Trotzdem erwartet Kracht, fuer den Fall dass China noch im laufenden Jahr der Welthandelsorganisation WTO beitreten sollte, ein baldiges Wiederansteigen der europaeischen Investitionen. Ohne baldigen WTO-Beitritt Chinas geht er von einer Konsolidierung des europaeischen Investments im Reich der Mitte in ein bis zwei Jahren aus. Interessant an der vorliegenden Studie ist die Analyse dessen, was erfolgreiche Firmen in China richtig gemacht haben. "Wir haben nicht genuegend von den Gewinnern geIernt", sagt Kracht. Als die hervorstechenden Staerken der in China gewinnbringend agierenden Firmen bezeichnet der Unternehmensberater gute Vorbereitung - vor allem Marktanalyse ein langsames Herangehen an die Maerkte "step by step" sowie eine klare Fokussierung. Die haeufigsten Fehler, die in China demnach begangen werden, sind eine Ueberschaetzung des Marktpotentials, eine Fehleinschaetzung der Konkurrenz meist sogar der lokalen Mitstreiter sowie eine falsche Kalkulation der Kosten. Erfolgreiche China-Investoren fallen auch dadurch auf, dass sie ihrer Strategie treu bleiben und auf die Naehe zu Partnern und Kunden achten. Die Fiducia-Studie wirft ein bezeichnendes Licht auf die Probleme, die ein China-Engagement derzeit mit sich bringen kann. Die haeufigsten Nennungen der Befragten betreffen Iangsame und komplizierte Behoerdenablaeufe, fehlende rechtliche Rahmenbedingungen, Eingriffe in die Maerkte und das politische System der Volksrepublik, das als Risikofaktor betrachtet wird. Auffallend haeufig beklagt werden ausserdem der Mangel an qualifiziertem Personal und teilweise erhebliche Unterschiede zwischen chinesischen und internationalen Standards. Offenbar sind Produktfaelschungen ein weiterhin zunehmendes Problem fuer die europaeischen Investoren in China. 43% der Befragten sehen sich damit mehr konfrontiert als im vergangenen Jahr. Als regelrecht "schockierend" bezeichnet Juergen Kracht ein weiteres Ergebnis der Studie: 43 % aller chinesischen Joint-Venture-Partner europaeischer Firmen machen dem eigenen Gemeinschaftsunternehmen mit denselben Produkten Konkurrenz. Die Studie duerfte auch die alte Frage ueber die richtige Grundsatzentscheidung fuer einen China-Einstieg wieder aufwerfen, mit Partner oder alleine. Interessant ist, dass in der vorliegenden Umfrage 59 % der Gemeinschaftsunternehmen, aber nur 47 % der auslaendischen "Alleingaenger" die Gewinnschwelle erreichten. |
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